Was auf die Ohren gefällig?


Von Julia aus Irland kommt die nette Idee, gelegentlich mal etwas aus dem musikalischen Nähkästchen zu plaudern. Nach diesem Motto präsentiere ich Euch eine handvoll ausgezeichneter, aber leider kaum mehr beachteter Songs, hauptsächlich natürlich Rock/Pop um die 80er Jahre rum. Hin und wieder spielen der WDR oder SWR solche “Oldies” dann doch nochmal, was mir jedes Mal den Tag versüßt. Da fühlt man sich gleich besser, singt am Besten noch lauthals mit. Ein besonderes Schmankerl von heute morgen aus dem Radio macht gleich den Anfang:

High Hopes von Pink Floyd

Pink Floyd aus Großbritannien sind ein echtes Rock-Urgestein, haben bereits Anfang der 60er das erste Mal von sich hören gemacht. In den 1970er gehörten sie bereits zu den grossen Namen im Progressive Rock, der sprichwörtliche Durchbruch in den absoluten Olymp gelang Ihnen dann aber mit dem Song “The Wall”, der neben “Wind of Change” von den Scorpions zur Hymne der Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland wurde (obwohl er zu dem Zeitpunkt bereits 10 Jahre alt war). Mitte der Achtziger trennten sich die Wege von damals-Frontmann Roger Waters und den 3 anderen verbleibenden Bandmitgliedern, aber nach anfänglichem Streit um den Bandnamen einigte man sich, und Pink Floyd konnten 1994 “Division Bell” rausbringen. Und aus eben diesem Album kommt dieses epische 8-Minuten-Stück, das ich bis heute gar nicht kannte.

Weiter geht’s mit einem Song der dem ein oder anderen bekannt vorkommen könnte:

All you Zombies von The Hooters

Die amerikanische Band The Hooters kennt man am Ehesten von Ihrem Spät-80er Song “Johnny B.”, auch eine klasse Rockballade, oder meinem persönlichen Geheimtipp, “Satellite”. Obwohl erst Anfang der 80er gegründet, hat die Band schon beachtliche Erfolge vorzuweisen: die Teilnahme am prestigeträchtigen Live Aid 1985 sowie – genau wie Pink Floyd – eine Hauptrolle bei den Events um den Mauerfall 89/90. Anfang des Jahres hätte ich die seltene Chance gehabt, The Hooters live zu sehen, aber leider nur in Verbindung mit Deep Purple und Status Quo. Leider zum Einen, weil dadurch die Karten kaum bezahlbar waren. Zum Anderen hatte ich auf keine der beiden anderen Bands wirklich Lust. An Status Quo habe ich mich vor Jahren wirklich satt gehört, und die Headliner Deep Purple bestehen bis auf den Drummer nur noch aus ausgetauschsten Künstlern. Ne, danke, dann lieber wenn The Hooters mal wieder allein touren.

Weiter gehts mit einer unglaublich markanten Combo, wieder mal aus dem vereinigten Königreich. Ich präsentiere:

Jethro Tull mit The Clasp

Zu Jethro Tull gibt es so viel zu sagen. Die Band, die sich 1967 um Frontmann Ian Anderson formierte (und auf diesem Wege die Querflöte als Rockmusikinstrument salonfähig gemacht hat), verfügt über so ein gigantisches Spektrum und einen so eigenen Sound, dass es schwer fällt sie überhaupt in ein Genre einzusortieren. Besonders auffällig ist meines Erachtens das Spiel mit dem Takt, frei nach dem Motto “Wir können alles ausser VierViertel”. Auch das Album The Broadsword and the Beast (1982), von dem The Clasp stammt ist ein wilder Mix aus Folk, Rock, Elektronik, Ballade. Die faszinierenden Spannungen innerhalb und zwischen den Songs machen es zu einem meiner absoluten Lieblingsalben überhaupt, thematisch geteilt zwischen der “rechtschaffenen” Seite The Broadsword und der “chaotischen” Beastie. Ein absolutes Meisterwerk (während ich dies schreibe höre ich das Album, das ich sowohl als LP als auch als CD habe und überlege immer wieder, ob nicht einer der anderen Songs doch noch ein Quäntchen besser ist – absurd, bedenkt man wie stark sich die genialen Stücke unterscheiden). Im Lied selber geht es laut Anderson um den Handschlag, vor dem sich viele Leute aus ihm unerfindlichen Gründen scheuen. Für Ihn ist er ein Zeichen des Vertrauens. Das kann ich so unterstreichen, neben dem persönlichen Vorstellen von Fremden in einer Gesellschaft vermisse ich den Handschlag im Umgang heute am Meisten.

Als Bonus für die Iren und Irinnen unter uns zum Abschluss ein Titel von der grünen Insel:

Linger
von den Cranberries

Linger ist einer der Debuttracks der irischen Rockgruppe und ging Anfang der 90er auf Demotape an diverse Plattenfirmen. Nach einem Überwürfnis gleich mit der ersten Produktionsfirma brachte eine Tour zum Album mit dem sperrigen Titel “Everybody Else Is Doing It, So Why Can’t We?” den erwünschten Erfolg, an den die Band um Dolores O’Riordan mit weiteren Hits anknüpfte; allen vorran natürlich Zombie und Ode to my family. Seit 2004 ist die Band getrennt, ein Comeback ist aber nach eigenen Angaben auf jeden Fall vorgesehen, man darf also gespannt bleiben.

Ich hoffe, der eine oder andere Song hat Euch gefallen, vielleicht habt Ihr ja auch einen Tipp für mich? Einfach einen Kommentar dalassen!

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  1. #1 by Der Applejünger at 22. August 2009

    Jow sehr gut, schön dass bei all dem musikalisch unbedeutendem Fastfood der heutigen Zeit die großen der Musikgeschichte nicht in Vergessenheit geraten. Ich hatte das Glück “The Wall” in Berlin kurz nach dem Mauerfall erleben zu können.
    1994 war ich dann beim Pink Floyd – Konzert im Müngersdorfer Stadion Köln. Sie spielten auch High Hopes. Revolutionär war damals der perfekte Surround-Sound. Die Atmosphäre war unglaublich. Eine unvergleichliche Sommernacht, und eine Lightshow wie ich sie seitdem nicht mehr sah. Sowas können die “Eintagsfliegen” von heute gar nicht mehr.

    Ich habe auch noch eine Jethro Tull-LP in meiner Sammlung. Ich habe gerade Lust bekommen die Scheibe mal wieder aufzulegen.

  2. #2 by Berthold Barth at 23. August 2009

    Freut mich zu hören. Zu Floyd habe ich nie wirklich den Zugang gehabt, ausser natürlich zu diesem besagten Album. Ähnlich gings mir aber auch mit den Hooters; um so froher bin ich nun, wenn ich rückwirkend über solche Tracks stolpere.

    Für die Technik war ‘94 meines Wissens Alan Parsons zuständig, der ja dann auch nicht auf den Händen sitzen blieb. Da hab ich auch noch nen Lieblingstrack ^^

  3. #3 by Der Applejünger formerly known as "Der Schuhfetischist" at 23. Januar 2010

    Puh, ich war ja schon hier…

    Ein Glück. Ich habe gedacht, ich hätte deinen Kommentar bei mir übersehen…

    Jaaa, Alan Parsons… *seufz*

    Ich schmeisse meinen Plattenspieler jetzt mal an, und höre meine Parsons-Platten an. Danke für die Erinnerung!! Hoffentlich ist “Tales of…” nicht schon abgenudelt… ;-)

(wird nicht veröffentlicht)
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