Heute schon Ab.GEZ.ockt worden? - Der Sketch

Eigentlich sind polemische Überschriften nicht mein Ding, aber für die wohl meistgehasste pseudostaatliche Einrichtung der BRD mache ich mal eine Ausnahme. Die Gebührensammler im Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten haben mal wieder mit grossem finanziellen Aufwand eine Einschüchterungskampagne im Fernsehen gestartet, die zwar nicht an die Brutalität der „Raubkopierer sind Verbrecher“-Kampagne der GEMA heranreicht, die den 17jährigen Musikdownloader mit Mördern und Vergewaltigern zusammen in den Knast stecken möchte, aber dennoch die Tatsachen schwer verdreht.

Ein junges Mädel erklärt dort in nüchternem Ton, dass Sie beispielsweise ein Restaurant oder einen Supermarkt nicht ohne zu zahlen verlässt - sowas tut man einfach nicht, schliesslich handelt es sich hier um Diebstahl beziehungsweise Mundraub. Dann aber wird suggeriert, dass das Verweigern der GEZ-Gebühr objektiv betrachtet den selben Tatbestand darstellt.

Nun möchte ich mal ein passenderes Gegenbeispiel anführen. Bleiben wir ruhig im Bereich Gastronomie.

- Heute schon abGEZockt worden ? -

Wir befinden uns in einer 3 ½ Zimmerwohnung. Es ist früher Abend. Ein junger Mann von normaler Statur mit blonden Locken sitzt barfuss in Jeans und T-shirt auf der Couch und sieht fern, vor ihm auf dem Couchtisch ein leerer Teller mit Besteck, Resten von Reis und etwas Sosse. Es klingelt, der junge Mann steht auf, geht zur Tür und drückt den Öffner. Kurze Zeit später steht ein Pizzabote bei Ihm vor der Tür. Er hält ein Klemmbrett in der Hand.

Pizzabote: „Guten Abend. Ein Salat Contadina, eine Pizza Hawaii und ein alter Fisch voll Sauerkraut, macht zusammen 17,03 bitte“

Junger Mann: „Tschuldigung bitte, aber ich hatte nichts bestellt“(will die Tür wieder schliessen)

PB (schaut auf einen Zettel): „Sind Sie nicht Berthold Barth, gemeldet an dieser Adresse?“

JM: (stutzt) „Doch, schon, aber ich habe keine Pizza bestellt.“

PB: (zufrieden) „Natürlich haben Sie das nicht.“

JM: „Wirklich, ausserdem habe ich gerade gegessen.“

PB: „Das können wir ja nicht ahnen. Aber keine Sorge, ich habe auch nichts dabei. Wo arbeiten Sie?“

JM: „Ich bin selbstständig und wüsste nicht, was Sie das angeht. Was wollen Sie, wenn Sie nichts dabei haben und ich nichts bestellt habe?“

PB: „17,03. Haben Sie ein Büro?“

JM: „Hören Sie, ich habe weder eine Pizza bestellt noch gedenke ich eine zu bezahlen, das wäre ja noch schöner.“

PB: „Tut mir leid, aber im Auftrag der öffentlich-rechtlichen Pizzadienste muss ich Sie auf Ihre gesetzliche Pflicht zur Zahlung Ihrer Pizzagebühren aufmerksam machen. Sie bezahlen einmal im Monat eine Pizza unserer Wahl, einen Salat und einen alten Fisch.“

JM: „Warum sollte ich für einen alten Fisch bezahlen?“

PB: „Der öffentlich-rechtliche Pizzadienst ist sehr um Neutralität bemüht. Nicht jeder mag Pizza, wissen Sie? (setzt den Bleistift an) Sie erwähnten vorhin Ihre Selbstständigkeit - haben Sie da ein eigenes Büro?“

JM: „Ja, aber was hat das..:“

PB: „Dann zahlen Sie natürlich nicht 17,03. Wieviele Tische haben Sie dort?“

JM: „Nun, im Eingangsbereich stehen 5, zwei als Besprechungstisch, die anderen um Dokumente und Hardware abzustellen. Dann haben wir noch eine Arbeitsplatte im Lager…“

PB (enthusiastisch, schreibt): „Und Schreibtische sicherlich auch eine Menge!“

JM: „Naja schon insgesamt so 6-7 Stück an den Arbeitsplätzen…“

PB (euphorisch, schreibt): „Ausgezeichnet, ausgezeichnet. Pro Tisch ist also nochmal ein Salat zu 5,52 fällig. Bei 13 Tischen sind das (rechnet) 71 Euro 76. „

JM (entrüstet): „Bitte was? Was zum Henker soll ich mit 13 Salaten?“

PB: (seufzt): „Sie verstehen das noch nicht richtig, oder? Sie kriegen überhaupt keine Salate.“

JM (verblüfft): „Keine Salate?“

PB: „Nein. Die Gebühreneinzugszentrale im Auftrag der öffentlich-rechtlichen Pizzadienste berechnet Ihnen eine Gebühr basierend auf der Anzahl der Tische und tischähnlicher Einrichtungsgegenstände, auf denen Sie potenziell Salate essen könnten. Um die Salate müssen Sie sich selbst kümmern.“

JM: „Auf den meisten dieser Tische stehen PC, und empfindliche Hardware, dort darf überhaupt nicht gegessen werden.“

PB: „Sie könnten die Geräte ja runterräumen, damit Sie auf den Tischen essen könnten. 88,79€ bitte. Wählen Sie Bankeinzug, dann ist es für Sie bequemer.“

JM: „Sie glauben allen Ernstes, dass ich alle meine Tische abräume um imaginäre Salate zu essen? Auf einer Arbeitsplatte im Lager?“

PB: „Guter Mann, was glauben Sie, was es für ein Aufwand wäre, auf jedem Tisch täglich Salatverzehr zu kontrollieren?“

JM: „Aber ich kriege doch gar keine Salate!“

PB: „Doch, wenn Sie möchten können Sie Salat bekommen.“

JM: „Mit anderen Worten, für 90€ kann ich so viel Pizza und Salat ins Büro geliefert bekommen wie ich möchte? Das hört sich…“

PB (winkt ungeduldig ab): „Nein nein nein. Der öffentlich-rechtliche Pizzadienst liefert überhaupt nichts, erst recht keine Pizza. Sie können sich aber Salate in den Filialen abholen. In Duisburg beispielsweise gibt es Tomaten und Cocktailsosse, in Dortmund Blattsalat und Oliven. Ausserdem müssen Sie unbedingt darauf achten, dass Sie die Salate nur im Büro zu sich nehmen. Sollten Sie einem Mitarbeiter einen Salat mit auf den Heimweg geben, müssen wir Ihnen zusätzlich noch einmal 5,52 berechnen. Gleiches gilt, wenn sie eine für zuhause bestimmte Pizza oder einen Salat während der Arbeitszeit verzehren - ist ja auch logisch.“

JM: „Wollen Sie damit sagen, ich bin gezwungen mir jeden zweiten Tag in Ihren Filialen Salate zusammenzusammeln, für die ich ansonsten umsonst bezahlen würde?“

PB: „Nicht umsonst, junger Mann. Die öffentlich-rechtlichen Pizzadienste sind ein wichtiger, neutraler Bestandteil der allgemeinen Pizzaversorgung.“

JM: „Aber Sie liefern doch gar keine Pizza in mein Büro.“

PB: „Aber wir streben kontinuierlich nach grösstmöglicher Objektivität in der Sortimentauswahl, die in einem von Privatpizzerien dominierten Umfeld immer wichtiger wird. Unsere Pizzen sind in der Hinsicht weit und breit die Besten.“

JM: „Wer beurteilt das?“

PB: „Nun werden Sie mal nicht frech. Das Gesetz sieht es so vor, und nur weil Sie glauben, dass es nicht auf Sie zuträfe, werden Sie jetzt schnippisch.“

JM: „Ich finde es unerhört, dass ich für meine Tische anstatt für tatsächliche Nahrungsmittel Geld bezahlen soll, nur weil Sie zu faul sind, tatsächlich verzehrte Salate zu berechen - und das auch noch auf Tischen, die zum Verzehr von Nahrungsmitteln weder besonders geeignet sind noch genutzt werden. Ich habe ja nicht mal eine Wahl!“

PB: „Natürlich haben Sie die. Arbeiten Sie einfach auf dem Boden. Viele Jungunternehmer, die sich die Salatgebühren nicht leisten konnten sind zur Arbeit am Boden übergegangen. Dazu lassen Sie einfach von einem Fachmann alle Tischbeine auf nicht mehr als 5 cm runtersägen und bestätigen uns das schriftlich. Danach kontrollieren wir monatlich, ob Sie neue Tische oder tischähnliche Möbel angeschafft haben. Ein Gebührenbescheid geht Ihnen im Laufe der Woche zu. Wünsche noch einen angenehmen Abend.“

Ja Danke.

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